Zu einer coronabedingt etwas anderen Abiturfeier begrüßte die Schulleiterin des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO), Oberstudiendirektorin Regina Krudewig-Bartel, die 62 Abiturientinnen und Abiturienten des Abiturjahrganges 2020, ihre Begleitungen und dazu weitere Ehrengäste, darunter Bürgermeister Jürgen Galm, des Weiteren den Ersten Landesbeamten des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Björn-Christian Kleih, als Vertreter des Landrates, die Vertreter des Elternbeirats, Ulrich Hermann von der Sparkasse Neckartal-Odenwald und Dieter Ehmann von der Volksbank Kirnau. Ihr Gruß ging auch an das Kollegium des GTO und an die Veranstaltungsorganisatoren. Zuletzt dankte sie der Stadt Osterburken für die Möglichkeit der Ausrichtung der Veranstaltung in der Baulandhalle.

In ihrer Ansprache ging sie auf die Bedeutung des diesjährigen Abiturmottos „Abinauten“ ein. Der deutliche Bezug zu dem Begriff „Astronaut“ sei gut gewählt, repräsentiere dieser Begriff den schon seit der Antike durchaus ehrfürchtigen und nicht immer unbescheidenen Wunsch des Menschen, neugierig neues zu entdecken und sich den Himmel und die Sterne greifbar zu machen. Nicht umsonst seien Sternbilder und Galaxien nach antiken Göttern benannt worden. Durch die technische Entwicklung sei dieser Wunsch möglich geworden. Sie verwies auf Neil Armstrong, der den Mond als erster Mensch betrat, aber auch auf Siegfried Jähn, Ulf Merbold und insbesondere Alexander Gerst aus der Region. Dass China erst unlängst eine Rakete zum Mars geschickt hat, beweise, dass die Neugier noch lange nicht befriedigt ist. Filmische Adaptionen wie Star Trek und „Krieg der Sterne“ & Co. und ihre bekannten Protagonisten Darth Vader, Meister Yoda, Luke Skywalker und Prinzessin Leia seien aus dem Gedächtnis kaum mehr wegzudenken, beflügelten diese doch die Fantasie und entwickelten auf ihre Weise und durch ihre Werte den menschlichen Horizont fort, so Krudewig Bartel.

Die Eltern haben ihre Abinauten stets begleitet und dabei geformt. Manche Sternstunden standen nicht immer heitere Situationen gegenüber. Sie haben ihre Kinder ermutigt, ermahnt und getröstet, doch nun müssen sich die Abinauten selbst helfen können. Und sie werden es können. An die Schülerinnen und Schüler gewandt, rief sie diese zum mutigen Aufbruch zu neuen Horizonten auf. Dabei sollten sie geerdet stehen und sich nicht aus ihrer Umlaufbahn werfen lassen. Sicher aber seien die Schülerinnen und Schüler nicht auf einem Holodeck. Auch wenn der Lockdown bremsend wirkte, ihr heutiger Raketenstart ins Leben sei gut vorbereitet worden, so Regina Krudewig-Bartel, die ihren Ausführungen mit einem „Ready for take off vom Cape Osterburken?“ Nachdruck verlieh.

Ihren Dank richtete Krudewig-Bartel an die Lehrerinnen und Lehrer, die, wie Meister Yoda, Fachwissen und Technik weitergegeben und unzählige Prüfungen durchgeführt haben. Eiserner Wille und Ausdauer waren nötig. Manchmal ging es in ruhigen Bahnen, manchmal in Lichtgeschwindigkeit, manchmal wurde aber auch die Luft dünn. Stets sei langes Training nötig, um die Sterne richtig zu deuten und Orientierung zu geben. Doch haben die Lehrerinnen und Lehrer ihre Abinauten gerade während des Lockdowns auf Kurs gehalten, so Krudewig-Bartel.

Damit sie auch zum Begriff Abinaut zurück. Es sei ein Kunstwort wie der Begriff Astronaut. Die NASA führte 1958 den Begriff „Astronaut“ ein, ein aus zwei griechischen Wörtern zusammengesetzter Begriff, der als „Sternfahrer“ übersetzt werden kann. Dem antiken Blick aufs Meer folgte nach der Entdeckung der Kugelform der Erde und der damit verbundenen Unmöglichkeit eines Sturzes von der Erde, wie Jason und seine sagenhaften Argonauten ihn noch fürchten mussten, ab den 1950ern der Griff nach den Sternen. Und nach diesen sollen die jungen Menschen jetzt auch mutig und sehnsüchtig greifen. „Are you ready for take off?“ Der Blick in die Zukunft sei zum Teil klar, zum Teil sei alles im (Sternen)-Nebel mit ungeahnten Überraschungen. „Möge die Macht, das richtige zu entscheiden und zu tun, mit Ihnen sein!“, schloss Krudewig-Bartel unter lang anhaltendem Beifall.

Mit ihrem schwungvoll und besinnlichen „Fly me to the moon“ von Bart Howard sorgten Bassit Agbére, Björn Liebl und Patrick Penndorf klangstark für eine besondere Atmosphäre, die mit prasselndem Beifall quittiert werde.

Als Vertreter des Landrats überbrachte Dr. Björn-Christian Kleih die Gratulation des Neckar-Odenwald-Kreises. Wenn auch die zurückliegende Zeit bei der Lehrerschaft kleinere Spuren hinterlassen habe, haben sich die Schülerinnen und Schüler gut behauptet. Das Abitur und das Leben unter Corona habe sie weitergebracht. Das Abitur, das in die Geschichte eingehen werde, habe ihr Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gerechtfertigt. Für ihre Enkelkinder werden sie wertvolle Zeitzeugen sein, so Kleih verschmitzt. Corona habe auch sein Gutes. Für Redner hingegen seien schlechte Zeiten angebrochen, seien sie doch vom Störfaktor zur realen Gefahrenquelle geworden. Die Bildung aber sei in dieser Zeit noch wertvoller geworden. So habe in dieser neuen Lage wissenschaftliche Expertise Leben gerettet. Streit und Diskussion seien eine Funktion der Wissenschaft und kein Funktionsmangel. Wissenschaft könne nur so funktionieren. Zugleich zeige sich der Bedarf an Breitenbildung. Zweifel wüchsen schnell, Erkenntnisse dagegen nur langsam. Es dauere daher lange, Sicherheit zu geben. Die Bildung sei Voraussetzung für diese Sicherheit, sich dabei aber ihrer Grenzen stets bewusst. Den Abiturientinnen und Abiturienten wünschte er zum Abschluss, dass sie den Faktoren Bildung, Sicherheit, Vertrauen und Liebe im Leben den richtigen Stellenwert einzuräumen.

Im Anschluss erhielten die 62 Abiturientinnen und Abiturienten durch Regina Krudewig-Bartel, ihrem Stellvertreter Uwe Rossa und in Anwesenheit ihrer Tutorinnen und Tutoren ihre Abiturzeugnisse und die Preise für besondere Leistungen und besonderes Engagement. Bassit Agbére erhielt für hervorragende Leistungen im Fach Deutsch den Scheffelpreis der Literarischen Gesellschaft, für besonders gute Leistungen im Fach Physik von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft einen Preis und eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft, für herausragende Leistungen im Fach Gemeinschaftskunde einen Preis der Landeszentrale für politische Bildung, für hervorragende Leistungen in den Fächern Musik und Englisch jeweils einen Fachpreis und für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis. Außerdem erhält er für seine langjährige Mitwirkung in der Big Band und für sein großes Engagement in der Schülermitverantwortung eine Anerkennung. Jannic Binder bekam für hervorragende Leistungen im Fach Latein den Preis „Humanismus heute“, für sehr gute Leistungen im Fach Wirtschaft den Schulpreis Ökonomie von der Südwestmetall und für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis. Alina Czasch erhielt für hervorragende Leistungen im Fach Latein den Preis „Humanismus heute“. Marc Fischer bekam für hervorragende Leistungen im Fach Chemie den Preisdes Verbandes deutscher Chemiker und für besonders gute Leistungen im Fach Physik von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft. Joel Heidl erhielt für hervorragende Leistungen im Fach Mathematik einen Preis der Volksbank Kirnau und den Preis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung sowie für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis. Luisa Jetter bekam für hervorragende Leistungen im Fach Latein den Preis „Humanismus heute“ und für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis. Antonia Knoblach erhielt den Preis der „Vereinigung der Freunde und Förderer des GTO“ für das beste Abitur mit einem Durchschnitt von 1,0 und 842 Punkten. Außerdem bekam sie für hervorragende Leistungen im Fach Religion den Herman-Maas-Preis, für sehr gute Leistungen im Fach Spanisch einen Fachpreis und für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis. Paul Kienberger erhielt für hervorragende Leistungen im Fach Latein den Preis „Humanismus heute“. Luca Rüdenauer bekam für besonders gute Leistungen im Fach Physik von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft. Hanna Schmid erhielt einen Preis der Sparkasse Neckartal-Odenwald für ihr soziales Engagement in verschiedenen Bereichen und eine schulische Anerkennung für ihr sehr großes Engagement in der Schülermitverantwortung als Schülersprecherin. Isabell Wölfl erhielt für hervorragende Leistungen im Fach Biologie einen Fachpreis und für sehr gute Leistungen in allen Fächern einen Klassenpreis.

Einen Klassenpreis erhielt, wer einen Abiturdurchschnitt von 1,5 oder besser hat, einen Fachpreis erhält, wer in allen Halbjahren und in der Abiturprüfung mindestens 13 Punkte erreicht hat.

Davina Gramlich, Björn Liebl, Hannah Nonnenmacher, Lukas Schupp, Andrea Stahl und Theresa Zürn erhielten für ihre langjährige Mitwirkung in verschiedenen Ensembles, Arbeitsgemeinschaften bzw. in der Schülermitverantwortung eine Anerkennung.

In seiner süffisanten Rede grenzte Scheffelpreisträgers Bassit Agbére eloquent Faulheit und Effizienz voneinander ab und gab einen essayistisch geschliffenen Umriss des Schulalltags.

Es folgte das Männerballett unter der Leitung von Hannah Nonnenmacher und Sophie Rossa. Die Dankesworte der Schülerinnen und Schüler gingen an alle am Schulleben beteiligten Menschen und dazu die Vorbereitungskomitees. „Wir können froh sein, am GTO zu sein!“, so ihr einmütiges Fazit.

Dankesworte von Regina Krudewig-Bartel schlossen nach zweieinhalb Stunden eine der Situation geschuldeten, aber Dank des Hausmeisterteams und dem Wirken aller Beteiligten hervorragend gelöste Situation. Erwähnt wurden insbesondere auch Fabian Ebele und Lars Rüdinger für ihre alljährliche Betreuung der Technik weit über die Schulzeit am GTO hinaus.

Für die musikalische Umrahmung sorgten eingespielte Beiträge der GTO Jazz Combo unter der Leitung von Patrick Penndorf, dem ebenso der Dank der Schulleitung galt. „Strassbourg – St. Denis“ von Roy Hargrove und „Moanin´“ von Bobby Hargrove, arrangiert von Mark Taylor, schufen eine besondere Atmosphäre und rundeten diesen ungewöhnlichen, aber nichtsdestotrotz sehr gelungenen, Abend ab.

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