GTO/Osterburken. „ Wir wollen nicht mehr nach Hause zurück!“ Dieses Statement, das mit Erheiterung des 50-köpfigen Auditoriums quittiert wurde, war die eindeutige Antwort auf die Möglichkeit eines erneuten Lockdowns. Alle Beteiligten, darunter Eltern und einige ehemalige und zukünftige Abiturientinnen und Abiturienten, waren sich vorbehaltlos einig, dass ein erneuter Verzicht auf den Präsenzunterricht auf jeden Fall verhindert werden müsse. Der Verzicht war eine „bildungspolitische Katastrophe“, so Kultusministerin Susanne Eisenmann, die den geladenen Schülerinnen und Schülern im Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO) offen und verständnisvoll Rede und Antwort stand. Begleitet wurde Eisenmann vom Minister für den Ländlichen Raum, Peter Hauk, dem Landrat des Neckar-Odenwald – Kreis, Dr. Achim Brötel und dem Bürgermeister der Stadt Osterburken, Jürgen Galm.

Man habe herausfordernde schwierige Zeiten hinter und auch vor sich, so Kultusministerin Eisenmann. Sie dankte allen Lehrkräften und den Schulleitungen für ihre Arbeit. Von der Normalität sei man noch weit weg. Die Ereignisse im März und April waren unvorstellbar und dürften sich nicht wiederholen, so Eisenmann. Daher müssten die Infektionszahlen kontrolliert werden. Disziplin sei nun von allen gefragt. Die Schulen seien teilweise tatsächlich nicht gut ausgestattet. Hier gelte es aufzuholen, Chancengleichheit müsse sichergestellt werden. Investitionen und Sanierung müssten dabei Hand in Hand gehen. Man konnte sich auf die Situation allerdings nicht vorbereiten, da aus rechtlichen Gründen der Unterricht in Präsenzform die Norm sei.

Die Abiturienten des Jahrgangs 2020 vermissten während der Zeit zwischen März und April Informationen zu den Abiturrichtlinien. Doch auch die anderen Schülerinnen und Schüler hatten Kritikpunkte: die Internetversorgung war teilweise nicht ausreichend. Die pädagogischen Angebote im Netz konnten überlastungsbedingt zuweilen nicht erreicht werden. Das galt auch für die GTO-Homepage. Auch hatten nicht alle Eltern die erforderlichen Endgeräte zur Verfügung. Die später bereitgestellten Schülerflatrates lösten die Probleme daher nur bedingt. Die Lehrer nutzten diverse Internetplattformen, die zum Teil nicht bemerkt wurden. Dies führte manchmal zur Verwirrung. Andere Lehrkräfte integrierten mangels entsprechender Fortbildungen die digitalen Möglichkeiten überhaupt nicht. Die Schülerinnen und Schüler baten daher um einheitliche Plattformen und Fortbildungen.

Diesen Punkt griff Eisenmann in ihrer Antwort auf. Fortbildung und Ausstattung hätten jetzt höchste Priorität, so Eisenmann. Bis Ende 2020 sollen alle 130.000 baden-württembergischen Lehrer einen Dienstlaptop haben. Die diesbezügliche Entscheidung des Bundes stünde aber noch aus. Trotz Probleme mit dem Datenschutz würden einheitliche Plattformen angestrebt.

Weiteren Gesprächsbedarf gab es wegen des zu geringen Abstands während des Unterrichts. Die Schüler fürchteten um die Gesundheit von sich und ihrer Angehörigen, vor allem wenn diese zu den Risikogruppen zählen. Viele Maßnahmen zum Abstand seien letztlich nicht aufrechtzuerhalten.
„Das Virus zwinge uns das Handeln auf“, resümierte Eisenmann. Der Präsenzunterricht habe aber absolute Priorität. Auch die Schüler stellten fest, dass Inhalte extern schlecht zu vermitteln seien. Darüber hinaus sei die Isolation für junge Menschen sehr belastend. Expertengestützt habe man entschieden, den Präsenzunterricht in eng definierten Gruppen ohne Abstand durchzuführen. Die Einhaltung des Abstands sei nur in einem rollierenden System möglich. Das würde zeitweise Heimbeschulung nach sich ziehen. Schließungen erfolgten, aber nur regional und in enger Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsämtern.
Auch das Schuljahr 2020/21 sei nicht normal. Dennoch dürfe man nicht von einem geschenkten Abschluss sprechen. 2021 folgen nur landesinterne Prüfungsaufgaben mit mehr Auswahl und Passgenauigkeit. Diesem Jahrgang werde besondere Aufmerksamkeit zuteil. Aber auch das Abitur 2020 war nicht geschenkt, stellte Eisenmann abschließend fest.
Die Schulschließung, so Krudewig-Bartel, war ein Schock für alle Beteiligten. Dennoch müssen teure Schnellschüsse vermieden werden. Die Eltern mussten unvermittelt in die Lehrerrolle. Auf jeden Fall wurde man in Flexibilität trainiert. Die Netzwerker des GTO mussten schnell ein leistungsfähiges System aufstellen, was aber gelungen sei. Krudewig-Bartel kündigte schulinterne Fortbildungen für Lehrkräfte an, die mit der Digitalisierung noch keine Erfahrung haben. Sie appellierte zur Wertschätzung, Geduld, Toleranz und Verständnis. Jeder müsse für jeden mitdenken und Verantwortung übernehmen. Kritik sei dabei auch eine Form der Wertschätzung.
Kultusministerin Susanne Eisenmann bedankte sich für ihre Einladung ans GTO und sicherte der Schule ihre weitere Unterstützung zu.

 

Hinweis: Die Rhein-Neckar-Zeitung sowie die die Fränkishcen Nachrichten berichteten ebenfalls über den Besuch von Kultusministerin Eisenmann :

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