Eigentlich ist es doch ganz einfach. Wer weiß nicht, dass positive Bestärkung bei der schulischen Bildung junger Menschen viel besser ist, als Kritik und Zurechtweisung. Erwachsenen geht es in der Aus- und Weiterbildung im Sinne eines lebenslangen Lernens kaum anders. „Liebevolle Zuwendung und Konsequenz sind das Paar Schuhe, mit dem sich jeder Gipfel ersteigen lässt“, so Kommunikationstrainerin Sabine Nerl zu Beginn ihres praxisnahen Vortrags am Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO). Der große Andrang zu dieser Veranstaltung, zu der der Verein der Freunde und Förderer (FuF), die Schulleitung und der Elternbeirat des GTO eingeladen hatten, zeugte von einem großen Interesse an diesem allzeit aktuellen Thema.
Schulleiterin Regina Krudewig-Bartel und die Elternbeiratsvorsitzende, Dagmar Heckmann, begrüßten die rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Sabine Nerl nahm ihre Gäste mit auf eine Reise zu den Ergebnissen ihrer Erfahrungen aus 25 Jahren als Mutter und in der Erwachsenenbildung.

Kinder haben sensible Antennen und lernen einfach. Sie verknüpfen das Wort mit der Tat. Anschließend kopieren sie das Verhalten ihrer Bezugspersonen. Man müsse einem Kind mit einfachen und verbindlichen Worten sagen, was man von ihm will und warum diese Handlungsweise von Bedeutung sei. Erwachsene setzen oftmals zu viel voraus und nörgelten zu viel. Gerade jungen Kindern falle es schwer, eine fremde Perspektive einzunehmen, so Nerl. Erwachsene würden so oft Unverständnis für Zusammenhänge mit Faulheit verwechseln. Auch deshalb sollte man alles vermeiden, was versteckte Vorwürfe beinhaltet. Lege man daher den Kern einer Aussage auf den Nutzen ihres Tuns für andere Menschen, komme man viel weiter.
Kinder reagieren nicht auf Botschaften, sondern auf die Beziehungen. Erwachsene sollten, so Nerl, alles unterlassen, was einem Kind den Eindruck gibt, dass man ihm nichts zutraut. Macht ein Kind in einem solchen Klima einen Fehler, frustriere man es. Mache ein Kind hingegen trotz nachträglicher ermutigender Bestärkung einen Fehler, löst man eine nachhaltige Betroffenheit aus, so die Kommunikationstrainerin. So sei denkbar, dass das Kind auch noch viel später den Fehler von sich aus wieder gutmachen will. Jeder Erwachsene sollte kommunizieren, dass Fehler normal sind. Sie machen sie nämlich auch.

Auch müsse zwischen einem Gefallen und einer Forderung unterscheiden, unterstrich Nerl. Erwachsene müssten sich auch mehr trauen, Eltern zu sein. Gerade im Erwachsenenleben hat die zunehmende Unfähigkeit, sich unterzuordnen, gravierende Folgen. Man sollte das „Bitte“ daher stets dosiert einsetzen. Vor allem sollte für eine klare Rollenverteilung gesorgt werden. Eltern müssen Eigenverantwortung in einem kindgerechten Maße einfordern, aber auch zulassen. Günstig sei zum Beispiel: „Wenn du mit deiner Hausaufgabe fertig bist, kannst du mit deinem Freund spielen.“ So übe man mit dem Kind zugleich Zeitmanagement.“ Dies ist umso wichtiger, da das Zeitgefühl unter der aktuellen Flatrate-Mentalität mit seinen unüberschaubaren Angeboten stark leidet.

Auch kann und sollte man Kindern schlechte Erfahrungen nicht ersparen, ihnen aber sogar Bezüge dazu liefern. Das sei Erziehung im Sinne einer „zielorientierten, bewusst gesetzten Bewusstseinseinheit“, so Nerl. Man muss aber auch nicht alles Neue einfach so mitmachen.

Zuletzt ging sie auf die Rolle der Medien ein. Angesichts des nötigen Kompetenzaufbaus sei es schädlich, Medienabstinenz einzufordern. Eltern und Lehrer hinkten heute Kindern in der Regel hinterher. Zeitabsprachen gingen heute daher nur noch begrenzt. Wichtig sei es daher, auf die sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu achten, so Nerl. Viele Jugendliche seien aufgrund der Dauerbeschallung und die Dauerpräsenz in den (sozialen) Medien heute kommunikationsunfähige Einzelgänger, die alleine keine Konflikte lösen könnten. Mitmenschen würden so häufig einfach „entliked“. Eine Entwicklung, die Nerl scharf kritisierte.
Nerl schloss mit einem Appell an Eltern und Lehrer, allzeit gelassen zu bleiben. Viele Kinder begreifen manchmal erst, auch wenn es zuweilen zu spät ist, dass in Kritik viel Liebe steckt. Sie wollen Erwachsene nicht provozieren oder ärgern. Erwachsene müssten ihren Kindern allzeit das Gefühl geben, dass sie für sie keine Last sind oder man sie, wenn es anstrengend wird, wegschieben will. Auf eine Formel gebracht: Eltern und auch Lehrer sollten von Kindern nichts erwarten, was sie nicht selbst zu tun bereit sind.

Zahlreiche Nachfragen bestätigten, dass Nerl einen Nerv getroffen hatte. In ihrem nächsten Vortrag, zu dem der FuF und das GTO rechtzeitig einladen werden, wird es um Machtspiele gehen.

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