Die 9. Klassen und die Jahrgangsstufe 2 des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) konnten auf Einladung der Fachschaft Geschichte des GTO einen ganz besonderen Gast begrüßen. Im Rahmen einer Filmwoche vom 25. bis 29. März waren die Großnichte des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler (1900-1945), die Politologin und Autorin Katrin Himmler (*1967) und die im Jahre 2016 gegründete Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald – Kreis“ unter Leitung von Alexander Weinlein am Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO) zu Gast.

Zu Beginn der Veranstaltung stand der Dokumentarfilm von Chanoch Ze´evi „Meine Familie, die Nazis und ich“. In diesem wird das Leben und Wirken von Nachfahren nationalsozialistischer Verbrecher geschildert. Zugleich wird deren Umgang mit ihrem Erbe beleuchtet und aus ihrer Sicht dargestellt. Die Filmvorführung steht im Zusammenhang mit der Schulfilmwoche, die durch „Demokratie stärken“, der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg und der Bücherei des Judentums, gefördert und unterstützt wird. Das Projekt ist Teil der Förderung im Rahmen des Landesprogramms „Demokratie stärken! Baden-Württemberg gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“.

In einer Diskussionsrunde im zweiten Teil der Veranstaltung stand die Berliner Politikwissenschaftlerin und Autorin Katrin Himmler(*1967), die Großnichte Heinrich Himmlers, den Schülerinnen und Schülern des GTO für ihre Fragen zur Verfügung. Katrin Himmler hat unlängst die Rolle von Heinrich Himmlers Brüdern untersucht und deren angeblich unpolitisches Leben als Mythos entlarvt. Beide sind schon vor 1933 in die NSDAP eingetreten.

Der 70-minütige Film gab den Schülerinnen und Schülern wichtige Einblicke in das Seelenleben der Täter und ihrer Angehörigen. Zu Wort kamen der Enkel des Kommandanten des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz Rudolf Höß, Rainer Höß, des Weiteren Betina Göring, die Großnichte Hermann Görings, Katrin Himmler, die Großnichte des Reichsführers-SS, Heinrich Himmler, Monika Hertwig, die Tochter des Kommandanten des KZ Krakau, Amon Göth und Niklas Frank, der Sohn des NS-Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank. Rainer Höß stellte sich bei seinem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz, gemeinsam mit einem Enkel eines Überlebenden, der Diskussion mit Nachfahren der ermordeten Menschen. Vor allem Himmler, Hertwig und Frank werden heute von Teilen ihrer Familien für ihr Engagement gemieden, Göring suchte ihr Glück in den USA, fernab von Deutschland, wo sie keinen Abstand gewinnen konnte.

Im zweiten Teil kam nun Katrin Himmler selbst zu Wort und stellte sich der Diskussion. Wenn man sie erlebt, ist es schwer vorstellbar, dass diese sympathische Frau mit einem Massenmörder verwandt sein soll. Die Politologin und Autorin Himmler geht mit ihrer Herkunft offensiv um. Ganz offen spricht sie über ihren Großonkel, ihre Familie, ihre Eltern. Ihre Familie, so Himmler, war typisch: voller Verachtung für die Weimarer Republik und die Demokratie.

In ihrem Studium der Politikwissenschaften war der Nationalsozialismus natürlich ein Thema, das sie damals aber noch nicht auf ihre eigene Familie bezog. Sie jedoch hatte nicht die Möglichkeit, wie (zu) viele andere, sich einfach wegzuducken. Und gerade deshalb sei ihr Name auch eine Chance, so Himmler. Sie wolle dabei nicht auf ihren Großonkel reduziert werden, was diesen verbrecherischen weltanschaulichen Unsinn, wenn auch nur indirekt, bestätigen würde.

Gerade die Geschwister und die Kinder (Heinrich) Himmlers waren bis an ihr Lebensende unbelehrbare Nationalsozialisten. Nur ihre Eltern brachen mit der NS-Erziehung. Katrin Himmler forschte im Auftrag ihres Vaters auch über dessen Vater und Onkel. Schnell entlarvte sie die Mär von ihrem unpolitischen Großvater und ihrem anderen Großonkel als Mythos. Schülerinnen und Schüler sollten die Möglichkeit bekommen, in ihren Gemeinden das Leben und Wirken der Opfer, aber auch der Täter selbst zu erforschen. Geschichte komme so plötzlich ganz nah, so Himmler am Ende der Diskussion, die von zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schülern belebt wurde.

Die überparteiliche Initiative „Herz statt Hetze“ Neckar-Odenwald-Kreis steht für Menschenliebe, Toleranz, Weltoffenheit, Respekt, Freiheit und Demokratie, die diskutiert, gelebt und verinnerlicht werden müssen. Sie macht Front gegen Menschenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Gewalt, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie. Ihr Anliegen ist es, Menschen für bedenkliche aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu sensibilisieren.

Angesichts des großen Erfolgs der Veranstaltung regte Alexander Weinlein jährliche Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Fachschaft des GTO an. Der Sprecher der Fachschaft Geschichte, Christian Langewellpott, dankte der Initiative und Katrin Himmler für ihr großes Engagement und zeigte sich für den Vorschlag im Namen der Fachschaft offen.

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