A new state is born – genau um 11.30 Uhr rief am Montag Staatspräsident Bassit Agbere in Anwesenheit der Bundestagsabgeordneten Nina Warken aus Tauberbischofsheim und der Osterburkener Stadträtin Margaret Horb am Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO) den neuen Staat G-Topia aus. In einem spannenden Experiment zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verwandelte sich das GTO für zweieinhalb Tage in einen fiktiven Staat namens G-Topia mit eigener Flagge, einer Verfassung und Staatshymne, einer eigenen Währung, einer Regierung mit Ministerien, einem Parlament, einem Justiz- und Polizeiapparat usw. Alle staatlichen Institutionen und Organe waren unter der Leitung von Studienrat Lars Rauss im Vorfeld durch freie, allgemeine, direkte, gleiche und geheime Wahlen besetzt worden. Rauss hatte mit seiner „Schule als Staat – AG“ drei Jahre auf das Mammutprojekt hingearbeitet. Ziel war es, die Komplexität staatlichen Handelns zu simulieren und damit spürbar zu machen, um ein demokratisches Verständnis und gesellschaftliches Engagement zu fördern.

Im Anschluss an die Rede des Staatspräsidenten erklang die von Musiklehrer Georg Fischer im Stil eines Popsongs komponierte Hymne, vorgetragen durch die Klasse 7b, die Chor-AG (Gesang) und das „Staatsorchester“ (Musikkurs der Jahrgangsstufe 1). Im Text der Hymne wurden für ein demokratisches Staatsgebilde wesentliche Prinzipien, wie Gerechtigkeit, Toleranz und eine intakte Diskussionskultur herausgestellt. Bis Dienstagmittag blieben Staat und Staatsvolk noch unter sich, dann öffnete G-Topia seine Pforten für Besucher aus dem Ausland, die an den extra eingerichteten Zollstellen Visa erwerben und ihre Euros in die G-Topia Währung Pfund Grünkern tauschen konnten.

Den Besuchern bot sich schnell eine Fülle von Möglichkeiten, ihr Geld auszugeben. Die Wirtschaft GTO-Pias brummte dank vieler fleißiger Hände und zahlreicher guter Ideen. Süße Schlemmereien wie herzhaftes erfreuten Staatsbürger wie Gäste. Neben einer Wurstbraterei waren eine Pizzeria und auch ein Sandwichladen zu finden. Diejenigen, die es süßer mochten, waren im Süßigkeitengeschäft, in der Bäckerei bei Waffeln und Crêpe, in der Eisdiele, im Café oder beim Obstverkauf richtig. Wer heiraten wollte oder es bleiben wollte, war beim Standesamt und in der Eheberatung gut aufgehoben. Zahlreiche Gewerbe- und Handeltreibende waren im Staat angesiedelt, darunter ein Second– Hand–Shop, ein Drogeriemarkt mit eigener Handcremeproduktion, eine Wachsfabrik, Tuchwebereien, ein Grußkartenverkauf und ein kunsthandwerklicher Betrieb. Diverse Dienstleistungen waren unter anderem bei der Unternehmensberatung, im Tattoo-Studio, der Druckerei und der Presse zu finden. Neben den Ministerien und der Zentralbank waren weitere staatliche Betriebe zu finden, darunter eine Anwaltskanzlei, ein Krankenhaus, die Müllabfuhr, das Warenlager, eine Schule und ein Kindergarten. Glücksspieler kamen im eingerichteten Casino auf ihre Kosten. Wer es ökologisch mochte, konnte sich Pflanzen besorgen, unter anderem ein ideales Hochzeitspräsent. Für ausreichend Bewegung sorgten zahlreiche Angebote in Sport und Spiel, darunter ein Fitnessstudio und die Tischkicker. Die Einnahmen des Staates kommen dem vom GTO unterstützen Projekt „Awasa“ zugute.

Aber es wurde auch richtig politisch: der Kanzler wurde nach einem an sich verfassungswidrigen Misstrauensvotum gestürzt. Diese veritable Staatskrise wurde erst spät durch eine Neubesetzung des Postens und die des Innenministers gelöst. Eine dem Präsidenten unterstellte Sicherheitsgarde übernahm schnell die eigentliche Polizeiarbeit, ein funktionierender Grenzschutz war stellenweise nicht vorhanden. Einige Parlamentsbeschlüsse waren nicht gut durchdacht und zeitigten teils unerfreuliche Ergebnisse. Das Ergebnis waren mehrere Demonstrationen, die schnell niedergeschlagen wurden. Der Präsident und das Parlament rangen um die Macht im Land. Das Finanzministerium und die Zentralbank arbeiteten allerdings reibungslos und sicherten den Kreislauf der Währung. Die demokratische Kultur wurde letztlich aber unter anderem von einer harten, aber fairen Presse entschlossen und erfolgreich verteidigt.

Gerade die politischen Wirren zeitigten den größten Erkenntniseffekt. Am eigenen Leib erlebten die Schülerinnen und Schüler den Wert und die Verwundbarkeit einer freien Gesellschaft. Freiheitlich-demokratische Kultur muss von allen Demokraten nicht nur verinnerlicht, sondern eben auch aktiv gelebt und gegen ihre Feinde verteidigt werden. Jeder ist für ein gutes Funktionieren einer Gesellschaft selbst mitverantwortlich. Es wird gefährlich, wenn man alle Verantwortung aus Bequemlichkeit von sich wegschiebt. Mit einer Abschlusserklärung von Präsident Bassit Agbere löste sich der Staat am Mittwochnachmittag wieder auf.

Das Projekt wurde im Anschluss in den Klassen auf- und nachbereitet. Die Schulleitung zeigte sich über das gelungene Projekt „Schule als Staat“ hoch erfreut und dankte Lars Rauss und allen Beteiligten für ihr großes Engagement.


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