Unter der diesjährig letztmaligen Leitung von Gernot Ludwig (Akkordeon, Kontrabass) begeisterte die „Klezmer- und Gypsigruppe des Ganztagsgymnasiums Osterburken“ unter Mitwirkung von Claire Winkelhöfer und Nelli Koppányi (Violinen), Juliane Oehrl (Viola), Clara Kretschmar (Klarinette), Jeremias Edinger (Gitarre), Franziska Keilbach (Kontrabass, Gitarre), Patrick Penndorf (Gitarre, Ukulele), Jakob Sherif (Gesang, Alt-Saxophon) und Nikolai Ruff (Gitarre, Sopransaxophon, Ukulele) beim diesjährigen Sommerkonzert in der Gedenkstätte „Ehemalige Synagoge Sennfeld“ mit besinnlicher jiddischer Klezmer-Musik und Gypsi-Swing ein zahlreich erschienenes Publikum. Der hiesige Museumsverein sorgte traditionell für das leibliche Wohl aller Besucher.

In seiner Begrüßung verwies der ehemalige Lehrer am GTO und jetzige Leiter der Gedenkstätte, Reinhard Lochmann, auf die große Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Sennfeld von 1338 bis hin zur Deportation der letzten jüdischen Einwohner ins Konzentrationslager 1940. Gerade deswegen freue ihn das Engagement der Klezmergruppe, aber auch das zahlreich erschienene Publikum ganz besonders.

Nach dem Einstieg mit „Ani Ole Lirushalayim“ folgte das orientalisch beschwörerisch klingende „Zemer Atik“. Auch Balladen wie von den „Tsen Bridern“ und der „Grinen Kusine“ durften nicht fehlen. Jakob Sherif (Jahrgangsstufe 1) überzeugte und begeisterte dabei mit seinen Gesangseinlagen. Nachdenklich, sehnsüchtig, besinnlich und wehmütig wurde es mit „Schtil, di Nacht is ojsgeschternt“ von Hirsch Glik, dem mit „Sog nischt kejnmol“ ein ergreifendes Lied aus dem Warschauer Ghetto folgte.

Die schönen melancholischen Texte in den jiddischen Liedern, deren Wechsel von Freud und Leid, unterstrichen durch die die schnellen Wechsel von Dur nach Moll und umgekehrt, erzeugten gerade an diesem besonderen Ort eine Stimmung, die die Schönheit und Größe der hier einst beheimateten Kultur erahnen lässt.

Nach der Pause änderte sich der Stil. Nach dem schwung- und stimmungsvoll, aber zugleich frechen „Coquette“ folgte „Bei dir war es immer so schön“. Schon fast selbstverständlich war dabei der gefühlvolle, zerbrechliche und doch kraftvoll authentische Gesang von Jakob Sherif. Spritzig und aufmunternd mit einem Schuss Nachdenklichkeit wurde es mit „Minor Swing“.

„Bei mir bist du scheen“ (Shalom Secunda u.a.), ein hundertfach interpretiertes Lied, welches sich aus beiden Kulturen speist, bildete nunmehr die ideale Verbindung zwischen den beiden Musikschwerpunkten des Abends. Ein fordernd offensiver Gitarren- und Akkordeoneinsatz wurde mit kräftigem Spontanbeifall honoriert.

Rahel Edinger verabschiedete im Anschluss Gernot Ludwig unter langanhaltendem prasselnden Beifall. In seinen Dankesworten unterstrich ein nachdenklicher Gernot Ludwig die Bedeutung gerade dieser Konzertstelle in der ehemaligen Synagoge. Er verstehe die Konzerte als kleine Entschädigung für das, was die Nazibarbarei an jiddischer Kultur vernichtet hat. Zugleich zeigte er sich sicher, dass die Klezmer – Gruppe ihren erfolgreichen Weg weitergehen wird, nachdem am GTO wieder eine neue Generation Klezmermusiker herangewachsen ist und sich schon viele Generationen am GTO für jiddische Musik haben begeistern lassen. Abgerundet wurde das Konzert mit „Blessing“ aus Irland und der Zugabe „Tsen Brider“. Diese, wie auch das gesamte Konzert, wurde mit stehenden Ovationen quittiert. Shalom!

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