Am Samstag, den 6. April 2019, erlebten Jazzfreunde in der Pachthofscheuer in Forchtenberg-Ernsbach ein ganz besonderes Musikevent. Beim dritten und letzten Konzert des Nachwuchsfestivals „UpBeat-Hohenlohe 2019“ konnten sich die Zuhörer selbst ein Bild davon machen, welch tolles Ergebnis der zweitägige Workshop der Jungs vom Trumann-Quartett mit den GTO-Musikern erzielte.

Die Jazz-Combo bot den Besuchern ein souveränes Programm. Die Vorband vom Janning Trumann Quartett erhielt für ihre Beiträge einen lang anhaltenden prasselnden Beifall. Bassit Agbere am Klavier, Nikolai Ruff am Saxophon, Clara Hirn an der Posaune, Jan Weißenberger und Manuel Hettinger an den Trompeten, Björn Liebl am Schlagzeug, Julius Graser am Bass und Davina Gramlich an der Gitarre überzeugten durch Ausdruck, Klangstärke und Spielfreude.

Nach „All Blues“ von Miles Davis kam ein musikalisches Novum: eine Spontaneinlage einzelner Musiker als „Garagen-Punk-Rock-Band“. Frei, ohne Vorgabe und ohne Plan spielte dabei ein Quartett aus Trompete, Gitarre, Schlagzeug und Bass. Und das überzeugend! Es folgte „Snow Patrol“, ein besinnliches Stück mit gekonntem Saxophon-Solo durch Ruff unter leichter Instrumentalbegleitung. Schwermütig und dabei fordernd-aktivierend überzeugten die jungen Nachwuchsmusikerinnen und -musiker ihr Publikum sichtlich. Im Anschluss: eine erneute Improvisationsnummer mit Saxophon, Trompete und Klavier. Das feuerte an und inspirierte durch Variantenreichtum und feierlich-forderndem Duktus. Das letzte Stück war die Funk-Nummer „The Chicken“. Jan Weißenberger bot ein Solo, flankiert durch das Schlagzeug und das Klavier. Wie alle Beiträge wurde auch dieser immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen. Der zweifellose Höhepunkt einer sehr guten Darbietung. Die jungen Künstler wurden mit lang anhaltendem Beifall honoriert. Patrick Penndorf, Leiter der GTO-Bigband, zeigte sich sichtlich zufrieden.

Nun aber war die Hauptband an der Reihe: das „Janning Trumann Quartett“. Janning Trumann an der Posaune, Lucas Leidinger am Klavier, Florian Herzog am Kontrabass und Thomas Sauerborn am Schlagzeug boten ihrem begeisterten Publikum ein breites Repertoire. Mit „Alarm“ startet die Combo: schmissig, lang gezogene Töne, leidenschaftlich, engagiert und entschlossen zugleich vorgetragen. Die Instrumente werden nicht nur gespielt, die Musiker verschmelzen regelrecht mit ihnen und gehen in ihnen auf. Beinahe erreichen sie die Trance, aber sicher sind sie perfekt klanglich abgestimmt. Es folgt „201“ – in einem Raum mit der Nummer 201 geschrieben. Sofort im Anschluss: „permanent reposle“. Der Song, entstanden in New York 2016, verarbeitet Trumanns Eindrücke der Stadt seiner Studien, die Klänge ihrer Musik und der Hochschule. Der Beginn ist schmissig, der Song variabel und dabei sehr schnell. Man fliegt regelrecht und wird gehetzt. Und trotzdem: ein klares Klavier und eine kompromisslose klare Kante. Dann erklang das Stück „Köln“ – Anfang 2016 in New York zur Zeit der Flüchtlingskrise ist es entstanden. Trumann wurde damals mit den Ereignissen zur Silvesternacht von einer New Yorker Ärztin konfrontiert. Er antwortete, dass er für eine Verbesserung des schlechten Bildes seiner deutschen Heimatstadt in den USA arbeite. Nach dem nachdenklichen „Field“ rundete „Amoresque“ das Set ab. Als kleine Zugabe gab es „Impelt“ – einen flockig-schmissigen Song. Für ihre Darbietung purer Lebensfreude erntete die Combo zu Recht langanhaltenden, rhythmischen Beifall. Das war Jazz, Jazz am Puls der Zeit.

Nun richtete Janning Truman den Dank an Gernot Ludwig, den Initiator des Festivals, und insbesondere an dessen Familie. Er dankte den GTO-Schülern für die Ermöglichung eines eigenen Schulrückblicks, obwohl sie kaum älter als sie seien. Diese Begegnungen öffnete ihm eine eigene Welt, so Trumann. Seinen Gruß richtete er an alle Lehrer für die Ermöglichung eines Besuchs am GTO.

„Janning Trumann 4“ bietet Klänge einer jungen und aufstrebenden Generation von Jazz-Musikern aus Köln. JT4 steht für einen couragierten Aufbruch. Die Formation will unter Janning Truman Horizonte sprengen. Janning Trumann gewann 2016 den „J. J. Johnson Award“ der International Trombone Association und im gleichen Jahr der „Förderpreis des Landes NRW“ im Bereich Musik. Die Band zeigt einen intensiven Gestaltungswille durch eine intensive Interaktion. Die Band ist mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Sie transzendiert den Geist des Jazz in die Gegenwart. Nicht das Verklären der Asche steht im Vordergrund, sondern das Schüren neuer Glut. Hochkarätige Jazzmusik aus den USA und Deutschland ist das Ergebnis.

Manuel Hettinger, Trompeter der GTO Jazzcombo freute sich im Anschluss über das sehr spannende, neue und freie Spiel. Es habe ihm wahnsinnigen Spaß gemacht. Die Freude teilte Gernot Ludwig, der die Bedeutung des Jazz für die Jugendlichen unterstrich. Janning Trumann dankte für die spannende Begegnung mit den jungen GTO-Musikern und ihrem perfekten selbständigen Konzertteil. Zufrieden zeigte er sich über den Raum, die Bühne und die gute Mischung des Publikums von Alt und Jung.

Das letzte Konzert des diesjährigen „UpBeat-Hohenlohe“ war gleichzeitig Teil der Auftaktveranstaltungen zum „33. Hohenloher Kultursommers 2019“ unter der Schirmherrschaft des Vorsitzenden der Kulturstiftung Hohenlohe, Seiner Durchlaucht Kraft Fürst zu Hohenlohe-Oehringen mit 68 weiteren Konzerten, organisiert durch Marcus Meyer, dem Geschäftsführer der Hohenloher Kulturstiftung. In der Veranstaltungsreihe waren schon „Conic Rose“ des Trompeters Konstantin Döben, der bereits in der Band „Clueso“, einer Avantgarde-Popband, engagiert ist. Des Weiteren war die transatlantische Band „Immigration Booth“ mit dabei.

Die Firmen Paul Kleinknecht und Würth, ein Bildungspartner des GTO, sowie die Sparkassen Hohenlohekreis und Schwäbisch Hall-Crailsheim haben das Nachwuchsfestival auch in diesem Jahr wieder als Sponsoren unterstützt.

Auf die nächsten Beiträge der Bands darf man sich bereits freuen!

 

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