Der folgende Artikel stammt aus den Fränkischen Nachrichten, © Fränkische Nachrichten, Montag, 26.10.2015

Osterburken. (adb) Zum inzwischen 29. Male stellte das Jazzsymposium des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) klar, als echte „Hausnummer“ auf dem Gebiet künstlerisch wertvoller Instrumentalmusik zu gelten. Im Jubiläumsjahr der 1965 gegründeten Einrichtung musizierten die insgesamt fünf Teilnehmer unter dem Signum „Begegnungen der Schulmusik“.

Eine passend konnotierte Einstimmung lieferte Schulleiterin Regina Krudewig-Bartel in jenem Sinne, dass „Liebe zur Inspiration und zur Musik“ am Jazz-Symposium Jahr für Jahr ein harmonisches Ganzes ergebe. Als Highlight gelte zwar das abendliche Abschlusskonzert, das auch heuer für eine volle Aula sorgte, doch seien gleichsam die über den Samstag verteilten Gesangs-, Combo- und Instrumentalworkshops immer wieder einen Seitenblick wert. Anerkennende Worte richtete sie an die den Abend gestaltenden Gruppen und Musiker sowie für den seit nahezu drei Jahrzehnten mit der Planung und Durchführung des Symposiums betrauten Lehrer Gernot Ludwig.

Musikalisch ging es gleich zu Beginn mit der von Gernot Ludwig geleiteten „Kiddies’ Band“ munter zur Sache: „Rock Around The Clock“ nach Rock-Urgestein Bill Haley vermischte zwei eigentlich völlig verschiedene Genre – Jazz und Rock – auf wohltuende Weise miteinander und ließ bereits erahnen, wie hochwertig das knapp zweistündige Konzert sein würde. Und auch die „Ehemaligenband“ des GTO gab sich die Ehre, bei der Eröffnung mitzumischen und steuerte „Jumpin’ On The Woodside“ bei.

Mit der Jazzcombo der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau, deren Taktstock Philipp Gruninger schwingt, traten danach die „Youngsters“ des Abends auf. Erst seit sechs Monaten besteht dieses Ensemble: Ursprünglich als einmaliges Musikprojekt gedacht, entschloss man sich dann dazu „100 Jahre zusammen zu bleiben – oder bis zum Ende der Schulzeit, was ja fast das Gleiche ist“, wie die erfrischende Begrüßung der jungen Musiker lautete. Dass auch der Nachwuchs schwer auf Zack ist, bewiesen anschließend die sehr saubere Rhythmusarbeit, die bei „Cantaloupe Island“ nach Herbie Hancock zur Höchstform auflief: Wuchtige, aber zu keiner Zeit aufdringliche Akkorde machten des dem Publikum leicht, die Darbietungen mit reichem Beifall zu würdigen.

Ein Novum der eigenen Art repräsentierte die von Martina Bach geleitete Bigband des Michelberg-Gymnasiums aus Geislingen/Steige: Als erste Formation in der Geschichte des Jazz-Symposiums wurden die Schwaben von einer Frau angeführt – um ein ungemein dynamisches „Filmmusikprogramm“ durch die GTO-Aula fegen zu lassen. Gerade manche Saxophon-Soli sorgten für den sprichwörtlichen „Wow-Effekt“. Weniger jazzig, sondern eher poppig geriet das Intermezzo des am Samstag neu formierten Projektchors, den auch Schulleiterin Krudewig-Bartel verstärkte – besonders erfreute der Klassiker „Somewhere Over The Rainbow“ in einer betont sanften, zum Träumen anregenden Version.

Charakteristischen Bigband-Sound in Reinkultur fuhren die jungen Musiker des Schubart-Gymnasiums aus Aalen (Leitung: Magnus Barthle) auf. Das seit inzwischen 26 Jahren bestehende Ensemble hatte mit „The Chicken“ ein Stück im Programm, bei welchem sich gespitzte Ohren besonders lohnten: Nach schier einminütigem Freestyle-Intro ging es ordentlich zur Sache; der scheinbar Rainer Holbes „ZDF-Starparade“ entnommene 70er-Jahre-Groove vermischte sich mit dem typischen Flair orchestraler Musik und begeisterte junge Jazzfans, ohne gesetztere Jahrgänge zu verschrecken.

Als „musikalisches Aushängeschild“ seiner Schule versteht sich die Bigband des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums. Die Schwaben spezialisieren sich nicht nur auf E- oder U-Musik, sondern warteten auch mit einem gewagten, aber brillant bewältigten Grenzgang zwischen Jazz und Rap auf. Deren Leiter Jörg Lemberg bemerkte in einem persönlichen Grußwort fernerhin, dass die Welt der Noten und Takte „weniger eine Frage des Wettbewerbs, sondern viel mehr eine Sache des Herzens“ sei, der man sich „mit vollem Geist“ zu widmen habe, um von ihr noch mehr geschenkt bekommen zu können.

Abgeschmeckt wurde der überaus bekömmliche „Musikcocktail“ von der hauseigenen „GTO-Bigband“ unter Gernot Ludwig, deren Solistin Marlene Bley in besonderem Maße hervorstach: Zunächst servierte „For Once In My Life“ die Einstimmung, ehe das Konzert mit „That’s All“ beschlossen wurde. Doch war das freilich noch nicht alles: Sozusagen als musikalischen Nachtisch präsentierten alle beteiligten Gruppen und Interpreten das Schlusslied „Groove 2 Go“. Dieses wurde von Dozent Jens Böckamp (Saxophon) eigens für den würdigen Ausklang des 29. Jazz-Symposiums komponiert. Als Dozenten hatten neben Böckamp zusätzlich Johannes Ludwig (Saxophon), Agnes Lepp (Gesang), Filip Wiesniewski (Gitarre) , Andreas Feith (Klavier), Marco Kühnl (Kontrabass), Dominik Raab (Schlagzeug), Markus Harm (Saxophon) sowie Klaus Wangorosch (Schlagzeug) den Weg nach Osterburken gekommen. Sie alle leisteten – Hand in Hand mit den erstklassig zu Werke gehenden Musikern und Gruppen sowie mit den „Helfern im Hintergrund“ – einen Beitrag zu einem Hörerlebnis der so individuellen wie charismatischen Ader.

Der Originalartikel kann auf dem Internetauftritt der Fränkischen Nachrichten abgerufen werden.