Auch brütende Abendhitze hielt zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer nicht davon ab, zur neuesten Produktion der Theater AG des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) „Ein Held namens Theseus“ unter der Leitung von Florian Pechbrenner, zu kommen.

Theseus von Athen (Michael Haas, JG 2) ist schon arm dran. Sturzbetrunken und dies auch konsequent pflegend, schüttet er der vorlauten Bardame Helena (Michele Palesch, JG 1) in der „Bar Athen“ sein königliches Herz aus. Den „geist“reichen Ausführungen sind in bester Brecht´scher Manier Szenen seines Lebens beigeordnet, bei der es allerdings mit der Wahrheit nicht immer so ganz genau genommen wird. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, gibt die Muse Clio (Florian Pechbrenner) zu allen (un)passenden Gelegenheiten ihren Senf dazu. Und dabei erfährt der Zuschauer so manche Neuigkeiten aus dem antiken Athen. Neuigkeiten, die so manch wackerem Hellenen die Haare zu Berge hätten stehen lassen.

Prinz Theseus (den jungen Prinz spielt Tillman Seifert, 9c), von Beruf Königssohn, Lüstling, Säufer und Taugenichts, trifft auf die Putzfrau (Nelly Koppány, 8b), deren Tochter Kassandra vom Minotaurus in sein minoisches Labyrinth auf Kreta „verschleppt“ wurde.

Dies kommt seinem Vater König Aigeus (Josef Kohler, 7d) sehr zu pass, der über das schlechte Image seines Sohnes und den desolaten Zustande seines Reiches mehr als verärgert ist. Deren „PR-Beraterin“ Xenia (Marlene Egner, JG 1) macht den beiden „Helden“ nun einen Vorschlag: Theseus soll den Minotaurus auf Kreta töten und somit die Ehe mit Ariadne (Malin Schweda, 8d), der Tochter des hiesigen Königs Minos (Lilly Jost, 10c) vorbereiten. Dies würde der sichtbar selbstverliebten königlichen Memme eine gute PR, Aigeus hingegen für sein Reich Macht und Einfluss verschaffen.

Zur Sicherheit schlägt Xenia die Konsultation der Pythia (Lilly Jost, 10c), dem delphischen Orakel, vor. Natürlich stellt sie durch eine „Freundschaftszuwendung“ in monetärer Form deren „richtigen“ Rat sicher.

Zunächst scheint alles gut zu gehen. Minos gibt seine durchaus nicht anspruchslose Tochter Ariadne (die Jüngere spielt Malin Schweda, 8d) gerne an Theseus.

Um ganz sicher zu gehen, dass ihm auch wirklich nichts passiert, engagiert Theseus auf Kreta zusammen mit Ariadne, die Feuer und Flamme für den athenischen Trottel ist, den zwielichtigen Alois Schwarzenbecker (Indra Brücher, 9c). Dieser soll gegen eine „königliche Apanage“ den Minotaurus für Theseus töten und ihn den Ruhm einheimsen lassen. Nichts leichter als das, verbirgt sich hinter diesem „Schwarzenegger für Arme“ doch ein Kapitän, der eine ganz eigene Geschichte zu erzählen weiß.

Dieser (nun gespielt von Mirijam Kunkel, 8a) lebt bereits seit neun Jahren auf Kreta und erfuhr dort bei seiner Ankunft Erstaunliches. Seine damalige Schiffsladung in Gestalt von 14 Passagieren war als Appetithäppchen für den Minotaurus gedacht. Diese „Häppchen“ ergaben sich aber nicht kampflos. Kritias (Lisanne Frank. 8d) forderte zum Beispiel eine opulente Henkersmahlzeit mit viel Knoblauch ein, um den Minotaurus bei seinem Imbiss abzuschrecken. Kaum wohlschmeckender dürften die hysterische Apasia (Lilia Kammerer, 8d) und die altkluge Elektra (Franziska Wachter, 8c) für den armen Minotaurus sein.

Als aber nun die Hohepriesterin (Luna Hartung, 8c) den beim Zählen leicht überforderten König Minos mit der Anfrage des Kapitäns bezüglich der Appetithäppchen konfrontierte, reagierte dieser verblüfft: da Menschenopfer gegen die Menschenrechte verstoßen, hatte Kreta diese längst abgeschafft. Der Minotaurus sei zudem dort gar unbekannt und das immerhin existente Labyrinth nach Auskunft der Ministerin für alles (Jara Zimmermann, 10a) zur touristischen Vermarktung komplett ungeeignet. Im Endeffekt werden die Menschenopfer daher zu „Opfern“ der kretischen Hotellerie. Nachzulesen ist all das in den Memoiren Schwarzenbeckers, die von Sekretärin (Nelly Koppány, 8b) eifrig niedergelegt werden.

Schwarzenbecker muss also nur sicherstellen, dass niemand etwas von dem stattfindenden Schmierentheater bemerkt. Zur Hand geht ihm dabei die kaum trinkfeste Kamerafrau und Journalistin (Lydia Mörder, 10a), zweifellos eine „hochmotivierte“ Meisterin ihres Metiers.

Theseus ist somit kampflos der strahlende Held. Es folgt die opulente Verlobung der Königskinder. Doch dann kommt die denkwürdige Hochzeitsfahrt bis Naxos. Dort macht der Lustmolch Theseus seine PR-Beraterin gnadenlos an und wird von Xenia dabei in flagranti erwischt. Eine Kellnerin (Lilia Kammerer, 8d) betreut Ariadne, die aber auch kein Unschuldsengel ist. Sie geht auf die Avancen von Dionysos (Indra Brücher, 9c), dem Gott des Weines, ein. Die intrigante Xenia hingegen verbringt die Nacht bei Theseus.

Ariadne (die Ältere spielt Nina Stöffel, JG1) erzählt Jahre später die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie hat sich Dionysos endgültig gegriffen. Dieser habe zwar hinsichtlich der Trinkfestigkeit erwiesenermaßen und berufsbedingt noch mehr in Petto als Theseus, sei aber im Gegensatz zum glücklosen Königssohn ein echter „Mann“, der wesentlich mehr auf der hohen Kante habe.

Der geschmähte Theseus kehrt nach Athen zurück und wird mit einem weiteren Debakel konfrontiert. Aigeus hat sich einer Südpolexpedition angeschlossen und will nicht mehr zurückkehren. Die PR-Abteilung macht daraus einen Selbstmord des Aigeus aus Verzweiflung über das Scheitern Theseus. Und der scheitert gleich wieder. Seine Ehe mit Xenia endet nach 82 Tagen, es bleiben ihm nur die Zahlungen saftiger Alimente. Eine Philosophiestudentin (Franziska Wachter, 8c) soll Theseus aufmuntern. Sie gibt ihm eine Reihe von Ratschlägen, die ihn ihren besten mündet: Helden denken selbst.

Zu danken ist auch noch der Soufleuse Adelina Schneible (8d), zahlreichen ehemaligen Schauspielerinnen und Schauspielern in der Maske und dem ganzen Ensemble für das grandiose Bühnenbild. Auf das nächste Stück der AG darf man sich bereits freuen.

 

Weitere aktuelle Beiträge

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung - klicken Sie dazu auf "Weitere Informationen". Durch die beiden anderen Schaltflächen lässt sich die Behandlung von Cookies einstellen: "OK" erlaubt die Nutzung von Cookies, "Ablehnen" verbietet sie.
Weitere Informationen Ok Ablehnen