Auszug aus der Wettbewerbseinreichung für den Ersatzneubau durch das Architekturbüro Muffler

Situation – In unseren Augen sind Schulen Orte der Zusammenkunft mit einem offenen und lebendigen Charakter. Sie beherbergen Räume, die zum Denken und zur Fantasie anregen, gleichzeitig aber auch Behaglichkeit und Geborgenheit ausstrahlen und Schülern den Platz zur individuellen persönlichen Entfaltung bieten. Ein Haus im Sinne Heideggers. Ein Gebäude, welches das von ihm beschriebene „behaust sein“ lebt, das sich den Bedürfnissen seiner Nutzer anpasst und sich mit seiner Umgebung sensibel verwebt.

Die Schule als „Lernhaus“ soll so zu einem eigenen, sehr charaktervollen Ort werden, in dem sich die Schüler wohl fühlen und den sie als Mikrokosmos „Lebensraum Schule“ wahrnehmen. Diese Gedanken liegen uns am Herzen und beeinflussen den grundsätzlichen Entwurfsgedanken und das architektonische Bild des Entwurf. Städtebauliches Konzeption – Der zu wählende Standort des Ersatzneubaus bei Erhalt des bestehenden Schulgebäudes bis zur Fertigstellung des Neubaus, bestimmt die grundsätzlichen Überlegungen. Ziel muss es sein, mit dem Ersatzneubau nach Abriss des Bestands im Zusammenspiel mit dem bestehenden Sportgebäude und der Realschule, einen Schulcampus zu erreichen. Hierbei sind die nach Abriss des Bestandes entstehenden Freiflächen von großer Bedeutung. Das bestehende Sportgelände sehen wir als für die Gesamtanlage notwendige Fläche an, die von einer Bebauung freizuhalten ist. Für die Lage des Ersatzneubaus entschieden wir uns im Sinne der angestrebten Campuslösung für den südlichen Grundstücksbereichs, angrenzend an die Hemsbacher Strasse.

Drei Bauvolumina organisieren sich entsprechend der von Westen nach Süden abfallenden Topographie. Die Baukörper sind jeweils dreigeschossig und gegeneinander versetzt. Dadurch entstehen Hofbereiche unterschiedlicher Nutzung. Über den Eingangshof im Süd-Osten, angrenzend an die Hemsbacher Strasse, wird die Gebäudestruktur er- schlossen; ein zusätzlicher Eingang nach Norden nimmt die Wegbeziehung zum Bushaltepunkt auf. Der Aussenbereich der Mensa wird durch die Bauvolumina gefasst und orientiert sich zum landschaftsorientierten Schulhof. Die Anlieferung des Küchenbereichs der Mensa erfolgt über die Hemsbacher Strasse. Eine pergolaartige Struktur verbindet den Ersatzneubau mit dem bestehenden Oberstufengebäude im Norden. Über diese Struktur wird auch ein baulicher Abschluss des Grünraums zur Sporthalle bewirkt. Der bestehende Musikanbau wird aufgegeben. Als übergeordnetes Element bestimmt der vorgeschlagene Landschaftspark nach Norden das gestalterische Bild der Campusanlage. Das Amphitheater nimmt die vorgeschlagenen Wegebeziehungen auf und bildet einen Orientierungspunkt im landschaftlichen Raum. Als räumliches Element wird im abfallenden Geländebereich zur benachbarten Realschule ein Baumhain vorgeschlagen. Durch das vorgeschlagene Entwurfskonzept werden räumliche Bezüge aufgenommen. Im Zusammenspiel der Baukörperfiguration und den Aussenräumen entsteht nicht nur eine Schulanlage, sondern ein Lebensraum der einen einprägsamen Ort bildet.

Gebäudestruktur – Die bauliche Struktur des Entwurfs folgt einem einfachen und klaren Konzept. Eine zentrale Verbindungsachse erschliesst die einzelnen Nutzungsbereiche der Schule. Im östlichen Baukörper ist der Eingangsbereich mit Aula, der Bühnenraum mit Nebenraum, sowie die Musikräume angeordnet. Bei Öffnung der Muskräume zur Aula ergibt sich ein grosszügiger Gesamtraum, welcher für grössere schulische Veranstaltungen genutzt werden kann. An den zentralen Eingangsbereich ist die Mensa in der Ebene 1 über eine grosszügige Treppenanlage angebunden. Treppenverbindungen erschliessen aus der zentralen Verbindungsachse die jeweiligen Geschosse der einzelnen Baukörper.

Im östlichen Baukörper sind die Räume der Verwaltung, der Lehrer und übergeordnete Nutzungen, wie die Schülerbibliothek und den Schülerbereich/Ganztag situiert. Die nach Westen gerichteten Baukörper nehmen neben der Mensa in der Ebene 1 die fachspezifischen Unterrichtsbereiche in der Ebene 2 und die Allgemeinen Unterrichtsbereiche in den Ebenen 3 und 4 auf.

Im Bereich der westlichen Bauvolumina sind Lichthöfe angeordnet, welche einen hohen Tageslichteintrag in die Erschliessungsbereiche bewirken. Es entstehen Erschliessungsflächen, welche für schulische Zwecke (offene Lernbereiche) genutzt werden können.
Als zweiter Fluchtweg dienen die vorgesehenen, dem Baukörper vorgelagerten Fluchtbalkone (Raumtiefe der Balkone 1,25 m) mit vorgesehenen aussenliegenden Treppenanlagen.
Durch die Anordnung des 1. Fluchtweges nach aussen sind für die Innenräume entsprechende zusätzliche Möglichkeiten zur Nutzung der Erschliessungsflächen gegeben.

Grünräume - Durch die Grosszügigkeit des Grundstücks nach Abbruch des bestehenden Schulgebäudes entsteht ein Freiraum, welcher einer Zonierung bedarf. Hierbei sollen der über einen längen Zeitraum hinweg gewachsene Baumbestand und einzelne bauliche Elemente (Amphitheater) weitestgehend erhalten bleiben. Ziel des Entwurfs ist die Definition unterschiedlicher Orte und Räume mit wenigen, aber prägnanten Mitteln, zurückhaltender Materialwahl und Ausstattungen sowie der gezielten Anordnung von Baumgruppen. Die unmittelbar an den Ersatzneubau angrenzenden Aussenflächen wie Eingangsplatz und Aussenbereich der Mensa erhalten eine bauliche Fassung mit klarer Begrenzung. Ein wasserdurchlässiger, heller Plattenbelag bestimmt diese Flächen. Der Bereich des Schulhofes gliedert sich topographisch in zwei Flächen, welche mit einer Treppenanlage mit Sitzstufen verbunden sind. Der nach Osten gerichtete Hofbereich ist mit einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag und im Bereich des eingeschnittenen Basketball-Spielfelds mit einem allwettertauglichen EPDM-Kunststoff-Fallschutzbelag ausgebildet.

Die nach Westen gerichtete Schulhoffläche soll mit einem wassergebundenen Belag ausgeführt werden. In diese Fläche eingeschnitten ist die Begrenzung der Baumdachfläche, welche der Fläche Schatten spendet. Im Bereich der Schulhöfe sind notwendige Angebote der Bewegung wie Niederseilgarten, Kletterwand, Schachfeld, Tischtennisplatten usw. vorgesehen. Der nach Norden an den Schulhof angrenzende Grünraum soll in Form eines Landschaftsparks bis hin zum Amphitheater gestaltet werden. Gruppenweise angeordnete und einzelstehende Bäume sollen das Bild bestimmen. Die zur Verwendung kommenden Bäume sollen klimaangepasst und robust sein. Sie sollen sich neben der Blüte auch durch ihre Herbstfärbung auszeichnen. Im Bereich der Hang- kante zur Fläche der Realschule sollen hochstämmige Baumhaine vorgesehen werden, welche eine durchlässige räumliche Begrenzung definieren. Die vorgeschlagene gedeckte Pergolastruktur verbindet über die geplante Treppenanlage den Schulhof mit dem Oberstufengebäude und der Bushaltestelle im Norden. Sie definiert den Abschluss der Hangkannte des Landschaftsparks zum Sporthallengebäude hin. Das entstehende Oberflächenwasser wird in den einzelnen Bereichen der Aussenanlagen zur natürlichen Versickerung gebracht.

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