Am Projekt „Struthof“, welches die Schüler gegen Ende des Schuljahres mit den Verbrechen des NS-Regimes in Struthof und Neckarelz konfrontierte, nahmen insgesamt über 90 Schülerinnen und Schüler aller 9. Klassen am Ganztagsgymnasium Osterburken teil.

Am ersten Tag, dem 28. Juni, fand der gemeinsame Projekttag der Klassen 9a bis 9d statt. Anhand von sechs Stationen, die von Renate Henneberger, Christian Langewellpott, Patrick Penndorf, Dr. Johannes Illge, Daniel Fritscher, Christian Göckel, Georg Dresdner, Oliver Schröder, Isabell Dropmann und Franziska Münkel betreut wurden, konnten die Schülerinnen und Schüler die historische Entwicklung der Konzentrationslager im Allgemeinen, die Geschichte des KZ Struthof-Natzweiler, die Persönlichkeiten der Täter und der Opfer, das Leben im KZ und den Außenlagern und die psychologischen Hintergründe des Nationalsozialismus erarbeiten.

Zum Zwecke der besseren Organisation wurde die Gruppe für die folgenden zwei Projekttage getrennt. Am 12. bzw. 13.7. besuchten zunächst die 9a und 9c die historischen Stätten in und um Osterburken und in Frankreich, eine Woche später die 9b und 9d.

Beginn war am Friedhof von Osterburken, dem Ort der letzten Ereignisse. Ende April 1945 war hier ein Zug mit Häftlingen aus Neckarelz nach einer tagelangen Irrfahrt in Richtung Dachau zwischen Adelsheim und Osterburken von seinen SS-Bewachern aufgegeben worden. Die halbverhungerten Menschen gelangten auf eigene Faust nach Osterburken, wo sie zum Teil trotz ihres Martyriums zum Teil nicht freundlich empfangen wurden. Die bereits gestorbenen Häftlinge wurden auf dem hiesigen Alten Friedhof bestattet, auf dem seit den 1970ern ein Gedenkstein an die Ereignisse erinnert.

Die Gruppen besuchten daraufhin zunächst das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neckarelz, wo ihnen durch fachkundiges Führungspersonal die Ereignisse vor Ort näher gebracht wurden. Das KZ war eine der zahlreichen NS-Einrichtungen, in denen die Menschen unter anderem unter unmenschlichen Qualen zum Arbeitseinsatz in der nahegelegenen ehemaligen Flugzeugmotorenfabrik „Goldfisch“ gezwungen wurden. Das KZ Neckarelz, eines der Außenlager des KZs Struthof im Elsass, befindet sich auf dem Gelände der Grundschule in Neckarelz und war mit Hunderten von Häftlingen belegt, deren Präsenz der hiesigen Bevölkerung keinesfalls verborgen geblieben sein kann. Im Abschluss an die Führung begaben sich die Gruppen jeweils zum „Goldfischpfad“, einem in den 70er Jahren von Schülern des Ortes angelegten Lehrpfad durch das Gelände der ehemaligen Fabrikanlage. Dort wurden sie etwa eine Stunde von ihren begleitenden Lehrern durch die Gebäudeüberreste geführt und mit den Ereignissen vor Ort vertraut gemacht.

Am dritten und letzten Projekttag besuchten die Gruppen erneut getrennt den Ausgangsort der Verbrechen, das KZ Struthof-Natzweiler in den westlichen Vogesen bei Straßburg (Frankreich). In Gruppen führten die begleitenden Lehrer die Schülerinnen und Schüler durch das Gelände und machten diese mit der Entstehung des Lagers und den Lebensbedingungen vor Ort vertraut. Besonders Augenmerk richtete die Gruppen auf die inhumanen medizinischen Experimente mit den Häftlingen und der anschließenden Nutzung der so gewonnenen menschlichen Exponate in der so genannten „Reichsuniversität“ Straßburg. Ferner wurde der Sadismus der Wachmannschaften und die völlige Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit der Gefangenen in diesem Lager verdeutlicht. So durften die Häftlinge sowohl ihr Gefängnis als auch die kilometerlange Straße dorthin selbst errichten.

Ziel des Projektes war es somit, die Verstrickungen der Heimatregion der Schülerinnen und Schüler in die NS-Verbrechen aufzuzeigen und der vielbeschworenen Mär „Wir haben das nicht gewusst!“ entgegenzuwirken. Das Projekt selbst ist eine Kooperation der Fachschaften Religion und Geschichte des Ganztagsgymnasiums Osterburken unter der Leitung von Religionslehrer Georg Dresdner und Oberstudienrat Christian Langewellpott.

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